Andrea Kersten: Schule muss sich endlich wieder auf das Wesentliche konzentrieren

Die Freie Presse widmete sich unter der Überschrift „Der Kampf um das kleine Einmaleins“ vor wenigen Tagen in einem ungewöhnlich ausführlichen Beitrag den Sorgen mehrerer Mathematikprofessoren um die Qualität des schulischen Unterrichts in ihrem Fachbereich. Wörtlich hieß es unter anderem etwa: „Ein Viertel der Viertklässler könne nicht mehr richtig rechnen“. Oder: „Zu Beginn des Studium müssten mathematische Alphabetisierungskurse durchgeführt werden.“

Andrea Kersten, MdL, Mitglied der Blauen Gruppe im Sächsischen Landtag, kommentiert:

„Wenn Hochschulprofessoren, Lehrer und Studienräte gleichermaßen eindringlich auf gravierende Mängel des Mathematikunterrichts hinweisen, dann spricht mir das aus der Seele. Wir fordern schon lange eine Entrümpelung der Lehrpläne sowie Eignungstest zu Studienbeginn. Dort, wo Zugangsbeschränkungen unumgänglich sind, würden diese Tests nämlich den Fokus auf die tatsächlichen Fähigkeiten der angehenden Studenten richten und nicht ausschließlich auf deren Notenspiegel. Die im Beitrag geäußerte Hoffnung, damit an den Schulen die Gewichtung wieder deutlicher auf ‚Verständnis und gutes Beherrschen der Materie‘ zu richten, statt ausschließlich auf blendende Zensuren, wäre nicht unberechtigt.

Völlig zu Recht weisen die Professoren darauf hin, ‚der Stoff in den Lehrplänen muss logisch aufgebaut sein, dabei auf mathematische Grundkonzepte beschränkt bleiben, diese sollten dann aber gut verstanden und dauerhaft beherrscht werden können.‘ Man könnte es auch anders formulieren: Das vermittelte Grundlagenwissen muss sitzen, jederzeit auch ohne wissenschaftlichen Taschenrechner anwendbar sein. Denn auch hier hebt die Kritik der Fachleute an. ‚Es wird geübt, wie man Aufgaben in Taschenrechnerbefehle überträgt, auf das Verständnis von Lösungswegen dagegen kommt es kaum an.‘

Dabei leistet, so betonen sie, Mathematik Grundsätzliches. ‚Sie schule den Verstand, erziehe zu objektivem Denken, schütze vor unzulässigen Verallgemeinerungen. Sie halte zum logischen Denken an, befähige zum Umgang mit abstrakten, komplexen Begriffen und bewirke eine Präzision der Sprache.‘ Alles Dinge, die uns in mehrfacher Hinsicht besonders wichtig sein sollten. Doch schon der Blick in die Lehrbücher zeige, so die Mathematiker, dass ‚die Intention der Bildungspolitik offenbar eine andere ist‘. Aufgaben, ‚bei denen man die richtige Lösung im Multile-Choise-Stil nur anzukreuzen brauche‘, befördern alles andere als den ‚Spaß und die Freude am Finden kreativer Lösungswege.‘

Der Freistaat Sachsen scheint, zumindest hinsichtlich der Bereitschaft, dem Rat der Experten ein offenes Ohr zu schenken, deutlich weiter zu sein als die Bundesebene. Aber gerade hier gilt es anzusetzen: Wir brauchen dringend bundesweit einheitliche Bildungsstandards, um die Lehrpläne angleichen zu können. Im Hinblick auf fehlerbehaftete Lehrbücher und praxisferne Aufgabenstellungen stellt sich die Frage, wer die Lehrbuchinhalte erstellt und vor allem, wer diese vor deren Zulassung überprüft. Dafür sollten wir uns auch in Sachsen interessieren. Und das nicht nur im Fach Mathematik, sondern mindestens in allen naturwissenschaftlichen Fächern. Auch hoffe ich auf mehr Arbeitskreise wie dem des „Arbeitskreises Schulmathematik“.“

Der Beitrag der Freien Presse: https://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/SACHSEN/Der-Kampf-um-das-kleine-Einmaleins-artikel10137931.php

27.02.2018

Blaue Gruppe im Sächsischen Landtag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.