Blaue Gruppe im Sächsischen Landtag: Lehrerverbeamtung ist kein Königsweg – Rahmenbedingungen verbessern

Andrea Kersten Pressemitteilung

 

Andrea Kersten, Uwe Wurlitzer, Dr. Kirsten Muster und Gunter Wild
(Blaue Partei) zur Fachregierungserklärung „Aufbruch in schwieriger
Zeit: Neue Impulse für das Bildungsland Sachsen“:

Andrea Kersten:

„Schon 2016 war klar, dass das damals vorgelegte Lehrer-Maßnahmenpaket
nicht das letzte sein kann. Insofern ist die Einführung des aktuellen
wenig überraschend. Im bundes- und EU-weiten Vergleich hat Sachsen
bisher unterdurchschnittliche Beträge für Bildung ausgegeben. Dass nun
also mehr Geld in diesen Bereich fließt, ist gut. Ministerpräsident
Kretschmer sprach sogar davon, dass, wenn es nach ihm ginge, alles
Geld in die Bildung investiert würde. Leider scheint es in Sachsen nur
nicht nach ihm zu gehen. Denn die freigegebenen Mittel sind keine
Anlage in die Bildung, sondern in den Generationenfonds. Für eine
Verbeamtung, die keinem einzigen sächsischen Lehrer bei der Arbeit
hilft. Was im Maßnahmenpaket fehlt, sind wirkliche Verbesserungen für
die tägliche Schularbeit: Bessere Rahmenbedingungen, ebenso einmal die
Suche nach dem Grund, warum im Freistaat so viele Lehrer
langzeiterkrankt sind. Was wir darüber hinaus benötigen, ist eine
Anwerbungskampagne mit Pfiff, die Kandidaten davon überzeugt, ihre
berufliche Heimat in Sachsen zu finden.“

Uwe Wurlitzer:

„Staatsminister Piwarz kommt zu spät. Er will dafür sorgen, dass unser
Bildungssystem nicht in Schieflage gerät. Doch das ist es schon. Dafür
tragen er und die CDU die Verantwortung. Opposition und
Landesrechnungshof haben schon lange vor dem Kollaps gewarnt. Es war
die Beratungsresistenz des Kultusministeriums, die Sachsen diesen
Schlamassel eingebrockt hat. Was bei all den wohlfeilen Worten fehlt,
ist die Stärkung der Anerkennung und Akzeptanz des Lehrerberufs in
Sachsen. Wenn früher ein Schüler schlechte Noten bekam, war nicht –wie
aktuell- der Lehrer schuld und vor allem nicht ausschließlich.
Elternhaus und Umfeld konnten einbezogen werden, ohne dass gleich der
Anwalt vor dem Lehrerzimmer stand. Gleichzeitig haben wir ein
gewaltiges Disziplinproblem, was Staatsminister Piwarz nicht –auch
nicht über den Umweg kleinerer Klassen- angehen will. Tragen Sie den
Beruf des Lehrers wieder in die Mitte der Gesellschaft und bringen Sie
ihnen die Anerkennung entgegen, die sie alle verdienen. Schaffen Sie
bessere Rahmenbedingungen, statt sie mit mehr Geld zu ködern: Kleinere
Klassengrößen, gleiche Bezahlung in allen Schularten, Herabsetzung des
Pflichtstundenmaßes, Schaffung von Entwicklungsperspektiven, Belohnung
von Engagement. Statten Sie die Lehrer mit mehr Kompetenzen bei der
Behandlung renitenter Schüler aus.“

Dr. Kirsten Muster:

„An den sächsischen Unis können seit 2017 jährlich 2.400
Studienanfänger ein Lehramtsstudium beginnen. Erfreulicherweise endet
das Studium nun wieder mit einem Staatsexamen und nicht wie bisher mit
Bachelor oder Master. Doch die Studienerfolge liegen deutlich unter
100 Prozent. Um Studienabbrüche zu minimieren, sind dringend Maßnahmen
erforderlich. Zunächst muss eine einheitliche Definition und Erfassung
über eine bundesweite Matrikelnummer erfolgen. Des weiteren
Eignungstests vor Studienbeginn, Praxissemester und das Freiwillige
Soziale Jahr Pädagogik müssen zielgerichteter auf den Lehrerberuf
ausgerichtet werden. Interessanterweise bildet Sachsen genügend Lehrer
aus. Doch sie kommen nicht in den Klassenräumen an. Die Hälfte der
Absolventen verlässt unser Bundesland und macht das Referendariat in
einem anderen. Von den ausgebildeten Referendaren verlässt noch einmal
die Hälfte Sachsen. Konsequenz: Der Freistaat hat derzeit die höchste
Quereinsteigerquote im Bundesdurchschnitt und damit und damit den
Konkurrenzkampf der Bundesländer um grundständig ausgebildete Lehrer
verloren. Die Kurskorrektur des Kultusministers ist damit verspätet.“

Gunter Wild:

„Von wegen ‚Aufbruch in eine schwierige Zeit‘. Schwierige Zeiten haben
wir im Bereich der Bildung schon längst. Die CDU hat die Bildung im
Freistaat kaputt gespart. Jetzt plötzlich die Kehrtwende mit dem
vorgeblichen Allheilmittel Verbeamtung. Doch dieser Königsweg wird
sich schnell als Irrweg entpuppen. Denn er belastet vor allem künftige
Generationen und verstärkt zudem die Ungerechtigkeit im Klassenzimmer.
Keine Rede mehr von gleichem Lohn bei gleicher Arbeit. Selbst die
Pädagogen fordern größtenteils keine Verbeamtung, sondern vor allem
gerechte und im Vergleich mit anderen Bundesländern angemessene
Bezahlung. Wenn es generell bessere Rahmenbedingungen für Lehrer gäbe,
müsste ein Beamtenstatus nicht das primäre Lockmittel sein, um
Kandidaten nach Sachsen zu holen und hier zu halten.“

14.03.2018

Blaue Gruppe im Sächsischen Landtag

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