Augen nicht vor der Realität verschließen – Defizite in der Sportförderung beheben

Andrea Kersten Aktuelles

 

Vor ein paar Tagen waren alle Augen nach Pyeongchang gerichtet, wo neben einem politischen Schaulaufen zwischen Nord- und Südkorea auch die Olympischen Winterspiele stattfanden. Unsere deutschen Athleten zeigten hervorragende Leistungen, was den Deutschen den 2. Platz im Medaillenspiegel knapp hinter Norwegen einbrachte. Alles wunderbar – könnte man meinen, aber bei genauerer Betrachtung dieses Ergebnisses wird deutlich, dass immer noch Defizite in der deutschen Sportförderung bestehen. So wurden in den Neuolympischen Sportarten Snowboard und Ski-Freestyle nur 2 von 60 möglichen Medaillen nach Deutschland geholt. Die Gründe dafür sind einfach. Hierzulande gibt es keine einzige ganzjährige Trainingsmöglichkeit für diese Sportarten. Diese Trainingsmöglichkeiten sind aber existenziell wichtig für Spitzenleistungen. Deutschland hat es verpasst, günstige Bedingungen für diese aufstrebenden Sportarten zu schaffen und hat nun Einiges aufzuholen.

 

Ein noch umfassenderes Thema der Sportförderung ist die dringend benötigte Leistungssportreform, von welcher einige Athleten es sogar abhängig machen, ob sie zu den nächsten Winterspielen noch einmal starten werden. Natürlich sind diese Reformen auch nicht ohne finanzielle Mittel zu stemmen. 40 Millionen Euro stehen als Summe für 2018 im Raum. Viel Geld, welches der Steuerzahler aufbringen muss, damit unsere Spitzensportler auch weiterhin mit der Weltspitze mithalten können. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass diese Mittel gut eingesetzt sind. Erfolgreiche Sportler sind Botschafter unseres Landes in der Welt und Vorbilder für Kinder und Jugendliche. Diese Vorbildfunktion ist extrem wichtig, um Kinder und Jugendliche in die Vereine zu bringen, wo sie sich neben der sportlichen Betätigung auch viele Sozialkompetenzen aneignen.

 

40 Millionen Euro müssen also aufgebracht werden, um konkurrenzfähig zu bleiben. Woher diese kommen könnten, hat das Oberverwaltungsgericht Bremen bereits am 21.02.2018 gezeigt. Das Land Bremen stellte der Deutschen Fußball-Liga (DFL) eine Rechnung über 425.000 Euro für einen Polizeieinsatz beim Bundesligaspiel zwischen Bremen und Hamburg, einem der vielen Hochsicherheitsspiele, bei welchem bis zu fünfmal mehr Beamte im Einsatz sind, als zu „normalen“ Bundesligaspielen. Dieses Gericht urteilte, dass die Rechnung rechtmäßig sei. Wäre dieses Vorgehen des Landes Bremen gängige Praxis, so könnte allein daraus ein erheblicher Teil, der für die Sportförderung nötig wäre, erbracht werden. Ich denke, dass eine Beteiligung der DFL an den zunehmend steigenden Polizeikosten für Fußballspiele durchaus richtig ist, solange keine Benachteiligungen für einzelne Vereine entstehen.

 

Fazit: Man muss sich also entscheiden, ob und in welchem Maße der Spitzensport in Deutschland gefördert werden soll. Eine schnelle Entscheidung ist die Politik den Spitzensportlern aber schon länger schuldig.

 

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