Sportförderung für E-Sport – muss das sein?

Wenn es nach der CDU/CSU und der SPD geht, soll E-Sport bald auch offiziell als Sport anerkannt werden. Damit verbunden wäre, wie für jeden Sport, auch eine finanzielle Sportförderung durch Bund und Länder. Im Koalitionsvertrag liest sich das wie folgt: „Da E-Sport wichtige Fähigkeiten schult, die nicht nur in der digitalen Welt von Bedeutung sind, Training und Sportstrukturen erfordert, werden wir E-Sport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen.“

Abgesehen davon, dass sich von dieser Formulierung im Koalitionsvertrag der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) überrumpelt fühlt und dies als klaren Angriff auf die Autonomie des Sports sieht, weil der DOSB als Dachorganisation des organisierten Sports in Deutschland bei dieser Entscheidung nicht mit eingebunden war, schweigt sich der Koalitionsvertrag darüber aus, welche wichtigen Fähigkeiten stundenlanges Starren auf einen Bildschirm, stundenlanges Sitzen auf einem Stuhl und ein sich dabei entwickelndes Verhalten, welches autistische Züge hat, der E-Sport schult.
Unbestritten gibt es in Deutschland viele Spieler und E-Sportler, welche sich von dem virtuellen Kräftemessen angesprochen fühlen. Auch die Entscheidung des Asiatischen Olympischen Komitees, E-Sport ab 2022 in das Programm der Asienspiele aufzunehmen, bietet Argumente für eine Sportförderung.

Dennoch habe ich bei diesem Schritt einige Bedenken. Profisportler sind vor allem eines: Vorbilder. Durch die Anerkennung als Sport wird der E-Sport in Deutschland rasant wachsen und in einiger Zeit auch medienwirksame Superstars hervorbringen. Somit sind diese E-Sportler dann Vorbilder für Kinder und Jugendliche. Der Karriereweg zum Profi-Computerspieler entsteht, Bewegung und soziale Komponenten, wie in anderen Sportarten, bleiben auf der Strecke. Denn die Ur-Ziele des Sports, zu denen Fairness, Toleranz, Respekt und Teamgeist zählen, werden beim E-Sport nicht trainiert. Keiner der E-Sportler hat jemals in einem klassischen Sportverein, in einer Trainingsgruppe angefangen zu trainieren und wird es mit Sicherheit auch nicht tun. Bei einer Förderung von E-Sport wird es immer nur um die Förderung einzelner Persönlichkeiten gehen. Auch speist sich die hohe gesellschaftliche Bedeutung des Sports aus seiner Gesundheitsfunktion, denn Bewegung und Sport tragen zur Gesunderhaltung des Körpers bei. Beim E-Sport dürfte die Bewegung eher eine Randerscheinung sein.
Die Politik muss sich also fragen, ob man mit der Förderung des E-Sports der Gesellschaft einen Gefallen tut und man den ohnehin schon hohen Konsum von Videospielen noch stärken möchte. Und vergessen wir nicht: Bei den meisten populären Videospielen geht es darum, jemanden zu töten.
Fazit: Bei E-Sport geht es nur um Geld!

 

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