Mit dem Lehrerpaket geschlossene Baustelle hat eine noch größere aufgemacht

Zum Antrag der Linksfraktion auf Schließung der Lohnlücken bei in Sachsen tätigen Lehrern erklärt die bildungspolitische Sprecherin der Blauen Partei im Sächsischen Landtag, Andrea Kersten:

„Ursächlich für den Antrag der Linken ist das Handlungsprogramm der Staatsregierung zur ‚nachhaltigen Sicherung der Bildungsqualität im Freistaat Sachsen‘, ein Maßnahmenkatalog, der zum wiederholten Male versucht, die dramatische Entwicklung in den Bereichen Lehrerversorgung und Unterrichtsabsicherung zu verbessern. Den Erfolg dieses Programms jetzt zu beurteilen, wäre sicher verfrüht; dennoch müssen wir konstatieren, dass die Baustelle, welche mit dem Lehrerpaket geschlossen werden soll, anderswo eine noch größere Baustelle aufgemacht hat.

So hat die angekündigte Verbeamtung von Lehrern bis 42 Jahre die Lehrerschaft in Sachsen erbost. Für sie kommt eine Verbeamtung und eine damit einhergehende deutliche finanzielle Besserstellung nicht zum Tragen. Dass aber Pädagogen, die in der Vergangenheit schon einige Kapriolen erlebt und mitgetragen haben und trotz enorm zunehmender Belastungen es immer wieder geschafft haben, Sachsen im bundesweiten Bildungsvergleich an der Spitze zu halten, in die anstehende Vergütungsbenachteiligung eine Abwertung ihrer Leistungen hinein interpretieren, sich nicht wertgeschätzt fühlen, ist absolut nachvollziehbar. Von daher möchten sich die Abgeordneten der Blauen Partei den Aussagen im Punkt I des vorliegendes Antrages anschließen, den sächsischen Lehrkräften gleichfalls danken und mit der Zustimmung zu diesem Punkt Wertschätzung und Anerkennung zum Ausdruck bringen. Der im Punkt II des Antrages aufgemachten Forderung werden wir uns allerdings nicht anschließen. Denn: Einer schlechten Entscheidung sollte man keine weitere hinterherschieben.

Wir Blauen haben uns kontinuierlich gegen eine Verbeamtung ausgesprochen. Zum einen natürlich, weil diese das Ungerechtigkeitsgefühl in den Lehrerzimmern erwarten ließ.

Andererseits aber auch, weil der erhoffte Erfolg so unsicher ist. Wir plädieren daher nach wie vor für bessere Rahmenbedingungen im Schulalltag. Kleinere Klassen, Berücksichtigung von Klassenleiterstunden, konsequente Entlastung der Lehrkräfte von administrativen Aufgaben. Hier gibt es Ansätze der Staatsregierung, die zu begrüßen sind. Gerade im Bereich der Rahmenbedingungen könnte sich Sachsen im harten Wettbewerb um fähige Köpfe von anderen Bundesländern absetzen. Und sollte es bei der geplanten Verbeamtung bleiben, müssen verbesserte Rahmenbedingungen vor allem für die Ü-42-Lehrer greifen.

Wir können uns vorstellen, dass für diese Lehrkräfte die Möglichkeit eines reduzierten Stundenmaßes als Ausgleich der finanziellen Lücke eine gute Lösung sein kann. Parallel dazu sind ausgebildete Lehrer aus den Verwaltungen zurückzuholen; ebenso ist der Abbau der Teilzeitarbeit fokussiert anzugehen. In beiden Aspekten liegt ein großes Potential an Lehrerarbeitsvermögen. Nutzen wir es.“

28.06.2018

Blaue Gruppe im Sächsischen Landtag

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