Andrea Kersten

Landtagsabgeordnete für Sachsen

Deprimierende Ergebnisse beim Chemnitzer Grundschulstudium, aber SMK forscht nicht nach

Die Antwort des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus (SMK) auf die Kleine Anfrage „Lehramtsabsolventen TU Chemnitz“ (Drs. 6/11130) kommentiert Andrea Kersten, Anfragestellerin, bildungspolitische Sprecherin und Mitglied der „Blauen Gruppe“ im Sächsischen Landtag:

„An der Technischen Universität Chemnitz haben nur 73 Studenten ihr Studium erfolgreich abgeschlossen – von ursprünglich 106, die sich eingeschrieben hatten. Zum Start des neuen Schuljahres am 1. August dieses Jahres standen allerdings nur 34 neue Lehrkräfte vor den Grundschulklassen; wie viele davon ihr Rüstzeug in Chemnitz bekamen, kann das SMK nicht sagen. Gelinde ausgedrückt: Dieses ministeriale Desinteresse ist erschreckend. Eine durchorganisierte, datenbanktechnisch ordentlich strukturierte Verwaltung müsste sagen können, wie viele in Chemnitz ausgebildete Lehrer tatsächlich im Freistaat unterrichten. Vor allem sollte sie wissen, warum so viele Absolventen es nicht tun. Die Gründe scheinen nur niemanden in der Riege der Verantwortlichen zu interessieren – gefragt danach wurde jedenfalls nicht.

Andererseits präsentieren die Antworten von Bildungsminister Haubitz einen weiteren unhaltbaren ‚Trend‘: Die Abbruchquote liegt insbesondere im Chemnitzer Beispiel mit knapp 30 Prozent viel zu hoch. Bei allem Zugeständnis an Interessierte, die erst während des Studiums eine gewisse Inkompatibilität mit dem vermeintlichen Wunschfach bemerken, sollten Eignungstests im Vorfeld ein geeignetes Instrument darstellen, die Zahl der Abbrecher gering zu halten. In diese Richtung muss das SMK weiter denken.

Übrigens ging die Behörde vor allem im Grundschullehramt stets von einem gewissen regionalen Bindungseffekt aus. Wer in seiner Heimat studieren könne, bleibe auch hier. Offenbar war hier mehr der Wunsch Vater des Gedankens. Dass sich so viele Lehramtsstudenten gegen ein Wirken im Freistaat entscheiden, hat sichtbar Gründe! Das Ministerium hat die Pflicht, die Ursachen zu erfahren und seine Planungen und Vorhaben daran auszurichten. Und wenn es sein muss, auch nochmals völlig neu, damit sich die kaputte Lehrersituation nicht ewig durch die kommenden Jahre weiter zieht!“

29.11.2017

frei und konservativ