Andrea Kersten

Landtagsabgeordnete für Sachsen

Diskussionen um Lehrerpaket zeigen: Minister Piwarz handelt erst und denkt dann nach

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz hat auf einer Personalräte-Konferenz der Lehrerverbände Kritik zum geplanten Handlungsprogramm gegen den Lehrermangel einstecken müssen.
Verbesserungsvorschläge blocke der Minister ab, so Pädagogenstimmen.
Unmut bestehe weiterhin über die Altersgrenze von 42 Jahren, bis zu der eine Verbeamtung von Lehrern möglich sein soll. Piwarz teilte weiterhin mit, dass der angedachte finanzielle Ausgleich für Nicht-Beamte erst der Zustimmung der Länder-Tarifkommission bedürfe.
Die Signale seien dafür „eher negativ“.

Bildungspolitikerin Andrea Kersten (Blaue Partei), MdL, bilanziert:

„Über die etwas hochnäsige Nonchalance, mit der der Staatsminister derzeit den Lehrern entgegentritt, kann man nur die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Erstens: Hat Herr Piwarz nicht vorher(!) daran denken können, dass das in seinen Augen großzügige Ausgleichspaket an die Nicht-Beamten unter den Lehrern erst von den übrigen Ländern abgesegnet werden muss? Ist er sich überhaupt nicht im Klaren über die politischen Prozesse, die solche Schritte bedürfen? Derartige Naivität ist erschreckend.

Zweitens: Dieser und viele weitere Punkte im Handlungspaket offenbaren, dass Herr Piwarz beinahe blindwütigen Aktionismus startet – und erst dann richtig nachzudenken scheint. Die Verwunderung über die nun ihm entgegenschlagende Kritik sollte er nicht zu weit aus dem Fenster hängen. Denn die Wut der Lehrer ist selbstverschuldet. Im Hau-Ruck-Verfahren will er Maßnahmen durchboxen, bei deren Entstehung die Betroffenen überhaupt nicht einbezogen wurden. Pädagogen jetzt vor vollendete Tatsachen zu stellen und ihnen dann auch noch schnippisch zu bescheiden, man hätte auch Placebos verteilen können, ist nah an der Grenze zur Arroganz.

Und zu guter Letzt: Minister Piwarz war in seiner bisherigen Zeit als CDU-Abgeordneter strikt gegen eine Verbeamtung. Nun, in Sichtweite der
2019 stattfindenden Landtagswahlen, deklariert er den Schritt als unvermeidlich. Wenn das mal kein Bumerang wird.“

09.05.2018

Blaue Gruppe im Sächsischen Landtag