Andrea Kersten

Landtagsabgeordnete für Sachsen

Gesetz ohne Sinn und Verstand – Auskünfte nach Kollegenlohn bringen nichts

Zu den anhaltenden Diskussionen um den Auskunftsanspruch im so genannten Entgelttransparenzgesetz, der ab 6. Januar durchsetzbar ist, meint Andrea Kersten, MdL und Mitglied der „Blauen Gruppe“ im Sächsischen Landtag:

„Lohn oder Gehalt sind keine frei gewählten Leistungen. Vielmehr sind sie von Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen vor Arbeitsbeginn verhandelt worden. Es gibt viele Gründe, warum jemand mehr oder weniger verdient. Ganz oben steht dabei die individuelle Leistung. Ein Arbeitgeber wird niemals mehr bezahlen, als ihm der Angestellte wert ist. Weniger hingegen schon. Jeder kann sein Gehalt neu verhandeln lassen. Allerdings würde keiner dabei das Argument, der Kollege verdiene mehr, anbringen oder gelten lassen. Das sollte sogar der Politik klar sein.

Ohnehin stecken in dem Gesetz so viele Fallstricke und Hürden, dass man wohl genauso gut fragen könnte, wie morgen das Wetter wird. Denn eine genaue Antwort auf beide Fragen wird es nie geben. Der Arbeitgeber darf die exakte Gehaltshöhe des Kollegen nämlich nicht nennen. Er muss einen Mittelwert, den Median, heranziehen. So lange der größere Teil der Vergleichsgruppe relativ niedrig bezahlt wird, fallen die Gutbezahlten nicht auf. Alle sind zufrieden: Der Geringverdiener, denn er rangiert im Durchschnitt und der besser Bezahlte ebenfalls, da er besser als der Durchschnitt verdient. Da haben die Verantwortlichen im Familienministerium sehr tief in die mathematische Trickkiste gegriffen.

Der Auskunftsanspruch, eilig ohne Sinn und Verstand zusammengezimmert von der ehemaligen SPD-Familienministerin Schwesig, die damit gegen eine angebliche Ungleichbehandlung von Frauen und Männern vorgehen wollte, bringt absolut nichts. Genaue Zahlen kennen die Kollegen auch nach erfolgter Nennung nicht. Und dass Diskussionen um Lohn in den Teams schnell zu Missstimmung, Neid und falschen Verdächtigungen führen könnten, setzt dem Ganzen schlussendlich die Krone auf.

Die Arbeiter, Beamten und Angestellten in Deutschland haben bisher 69 Jahre ohne diesen Anspruch gut und pflichtgemäß ihre Leistung erbracht. Dabei hätte man es belassen sollen.“

05.01.2018

Blaue Gruppe im Sächsischen Landtag

frei und konservativ