Andrea Kersten

Landtagsabgeordnete für Sachsen

Immer mehr Einser-Abiturienten: Abschluss verkommt zum Losbudenpreis

In diesem Jahr haben 273 sächsische Schüler das Abitur mit der Note 1,0 bestanden. Im Vorjahr waren es nur 193. Das ist eine Steigerung um 43 Prozent. Mädchen und Jungen der gymnasialen Oberstufe mussten dieses Jahr nur 40 Kurshalbjahresergebnisse in die Gesamtqualifikation zum Abitur einbringen. Bisher waren es 52. Die Verringerung der für die Abiturnote zu berücksichtigenden Kurse geht auf eine Vereinbarung der Kultusministerkonferenz zurück. Nach der müssen in allen Bundesländern nicht mehr als 40 Resultate eingebracht werden.
4444Andrea Kersten, AfD-Abgeordnete im Sächsischen Landtag und Mitglied im Schulausschuss:
„Die ‚Adenauer-Stiftung‘ monierte unlängst, dass sich in Deutschland eine ‚Kultur des Durchwinkens‘ von der Grundschule über das Gymnasium bis zur Universität etabliert habe. Damit irgendeine verquere Quote stimmt, darf jeder durchrutschen, auch wenn er intellektuell vielleicht nicht zu den Fähigsten gehört. Auf Gymnasien tummeln sich ‚dank‘ dieser Praxis viele Schüler, die selbst mit einfachsten Mathematik- und Deutschaufgaben ihre Schwierigkeiten haben. In der Studieneingangsphase finden fast überall mathematische Alphabetisierungsprogramme statt, die den Neuankömmlingen erst einmal Bruch- und Prozentrechnung beibringen müssen, weil sie dem Stoff in der Schule nicht folgen konnten. Die Leidtragenden dieser Niveauabsenkung sind Studenten, die mit guten Leistungen und dementsprechend geistig stabilerem Unterbau an die Universitäten kommen.
Nachteile dieses von der AfD schon seit jeher angeprangerten Akademisierungswahns und eines ‚Abiturs für alle‘ erfahren allerdings auch die Handwerker, die vielen kleinen und mittelständischen Firmen im Freistaat. Sie suchen händeringend Nachwuchs und Auszubildende, finden allerdings nur wenige, da die meisten dann doch lieber studieren wollen. Doch die Abbrecherquote unter den Studenten, die sich durch das Abitur geschleppt haben, ist hoch. Sie sind irgendwann das Akademikerproletariat von morgen, haben weder eine Ausbildung noch einen Abschluss. Weil es ihnen die Politik besonders leicht gemacht hat, ‚krebsen‘ sie weiterhin ganz unten in der Gesellschaft herum und wundern sich, dass das wahre Leben dann doch nicht so simpel ist.
Wir wollen endlich ein Abitur, das seinem ursprünglichen Sinn, nämlich ein Leistungsnachweis für Höheres, wieder gerecht wird und keine Massenproduktion von Studienberechtigten, die nur auf dem Papier zu den Besten der Gesellschaft zählen.“