Andrea Kersten

Landtagsabgeordnete für Sachsen

Nachfrage nach Abitur in Sachsen so stark wie nie – Aufstiegschancen gibt es aber auch ohne!

 

Immer mehr Schüler in Sachsen legen das Abitur ab. Im Vergleich zum Vorjahr 2016 nahm die Zahl um sieben Prozent zu. Etwa 93 Prozent der 15.520 Jugendlichen im Freistaat schafften die Abschlussprüfungen.

 

Bildungspolitikerin Andrea Kersten, MdL der Blauen Partei und Mitglied der Blauen Gruppe im Sächsischen Landtag, kommentiert:
„Inzwischen scheint sich bei dem Großteil aller Eltern und Schüler der Eindruck zu verfestigen, dass ohne Abitur die berufliche und soziale Stagnation oder gar der Abstieg droht. Nur mit der Hochschulreife erreicht man auch etwas im Leben, scheint der Gedanke zu sein. Das ist natürlich Unsinn. Eine anständige duale Ausbildung in Berufsschule und Lehrbetrieb eröffnet ebenso zahlreiche Möglichkeiten, eine Karriere aufzubauen.

Der ungebrochene Trend zum Abitur zeigt aber auch, dass es politisch nach wie vor gewollt ist, dass möglichst viele Kinder die Hochschulreife erhalten. Mit der Abschaffung von verbindlichen Bildungsempfehlungen, wie kürzlich in Sachsen geschehen, wird dieser Entwicklung auch noch  Vorschub geleistet. Eltern haben das letzte Wort, wenn es um die schulische Laufbahn des Nachwuchses geht – und damit leider nicht immer den besten Einblick in die Möglichkeiten des Kindes. Manchmal ist bei der Auswahl der kommenden Schule zu oft dem Wunsch Vater der Gedanken.

Der Zugang zum Gymnasium muss erschwert, Bildungsempfehlungen wieder bindend werden. Danach muss das Abiturniveau auf den Prüfstand. Die Reifeprüfung ist über die Jahre leichter geworden, in einigen Bundesländern wie Berlin oder Bremen wird das Abitur fast mühelos erreicht. Damit ist keinem geholfen. Weder der Politik, die sich so jahrelang vormachen kann, in Deutschland würde eine intellektuell durch und durch qualifizierte Bevölkerungsschicht heranwachsen. Und den Kindern auch nicht, die nicht merken, dass man für gute Ergebnisse auch tatsächliche Leistungen erbringen muss und einem im Leben selten etwas hinterhergeworfen wird. Am allerwenigsten aber nützt dies den Unternehmen, kleinen Firmen oder Handwerksbetrieben, die immer weniger dringend benötigten Fachkräftenachwuchs finden.“

03.04.2018

Blaue Gruppe im Sächsischen Landtag