Andrea Kersten

Landtagsabgeordnete für Sachsen

Programmieren genauso wichtig wie Lesen und Schreiben? Prioritäten endlich richtig setzen!

 

Die designierte Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU), hat in einem Interview mit der BILD-Zeitung eine Einführung des Schulfachs „Programmieren“ gefordert. „Programmieren gehört in die Lehrpläne der Grundschulen, es ist genauso wichtig wie Lesen und Schreiben“, sagte die Politikerin.

Dazu Andrea Kersten, MdL, bildungspolitische Sprecherin und Mitglied der Blauen Gruppe im Sächsischen Landtag:

„Programmieren heißt in erster Linie, Mathematik, Logik und Orthographie zu lernen. Diese Fächer sind eminente Grundlage für Quellcodes und Skripte. Aber solange Schüler in deutschen Bundesländern in PISA-Tests besorgniserregend abschneiden, sollte nicht einmal der Hauch eines Gedankens an die Einführung eines Programmierkurses  verschwendet werden.

Programmieren hat nichts mit Allgemeinbildung zu tun. Mit gleicher Argumentation, wie es Frau Bär tut, könnte man auch Schulfächer ‚Acker bestellen‘ oder ‚Vulkanisierung‘ einführen. Die Konzentrierung auf grundlegende Kenntnisse der Sprache und Zahlen wäre wesentlich zielführender. Erst wenn die Kinder Wichtiges wie Kommasetzung, Prozentrechnung, Rechtschreibung im Schlaf runterbeten könnten, wäre Programmieren vielleicht als zusätzliches Fach denkbar.

Auch ihr Hinweis, Programmieren würde dabei helfen, das Verständnis der Technik zu fördern, geht in die falsche Richtung. Natürlich sollten Nutzer wissen, wie ein Tablet, PC oder Smartphone funktionieren. Aber für die technischen Feinheiten gibt es Fachleute. Es ähnelt dem Autofahren: Es ist gut, es zu können, aber Schäden am Motor beseitigt dann doch lieber der ausgebildete Mechaniker.

Das Herstellen von Programmcodes und Quelltexten ist durchaus in späteren Klassenstufen als Wahlfach denkbar. In Grundschulen hat es ob anderer Prioritäten nichts zu suchen!“

06.03.2018

Blaue Gruppe im Sächsischen Landtag