Andrea Kersten

Landtagsabgeordnete für Sachsen

Schmuddel-Tatort: Realität nicht einfach abbilden, sondern verantwortungsvoll darauf reagieren

Der am Sonntag in der ARD ausgestrahlte „Tatort ‚Hardcore‘“ hat für
Kontroversen gesorgt. Insbesondere die Sex- und Nacktszenen als auch die
teilweise derbe Sprache bemängeln Kinder- und Jugendschützer. Der
„Tatort“ wird von der Sendeanstalt für Zuseher ab 12 Jahren als geeignet
eingestuft.
Andrea Kersten, Abgeordnete im Sächsischen Landtag, kommentiert:

„Ich bin keinesfalls besonders prüde, auch die Stocksteife der
Nachkriegsjahrzehnte, in denen es höchst und streng gesittet zuging,
möchte ich unter keinen Umständen reaktiviert wissen. Sexualität und wie
man mit ihr umgeht ist ohnehin primär subjektiver Ansicht. Insofern läge
es mir auch völlig fern, geschilderte Praktiken wie im letzten ‚Tatort‘
aus München zu kommentieren und zu bewerten. Doch dass der Krimi am
Sonntag, den Millionen Menschen gerne sehen, so offen und unreflektiert
mit eher nicht alltäglichen Sujets umgeht, erstaunt.
Vor allem dann, wenn die Verantwortlichen kein Problem darin sehen,
Gruppensex, Frauen als Ware oder derbe Sprache schon Zwölfjährigen zu
präsentieren. Eltern, die ihre Kinder leitend erziehen, kommen bei so
viel Offenheit in Erklärungsnöte, Jugendliche, die ihren Weg erst finden
müssen, fühlen sich durch die Darstellung eher ermutigt – frei nach dem
Motto: Zeigt es das öffentlich-rechtliche Fernsehen, kann es nicht
unbedingt verkehrt sein.
Doch die Redaktionen, gerade dann, wenn sie durch ihren Kunden
abgepressten Zwangsgebühren finanziert werden und demnach im
öffentlichen Auftrag handeln, sollten Realität nicht einfach nur zeigen,
sondern verantwortungsvoll einbetten.
Die Sender haben einen Bildungsauftrag – aber keine Bestimmung, Kinder
und Jugendliche in Schmuddel-Ecken zu entführen.“