Andrea Kersten

Landtagsabgeordnete für Sachsen

Was bedeutet Emanzipation heute?

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Kürzlich las ich im „Spiegel“ einen Artikel mit der Überschrift „Sie ist wieder da!“. Gemeint war die Hausfrau bzw. die Mutter, die sich dazu entscheidet, ihre Kinder im Kleinkindalter selbst zu erziehen. In dem genannten Artikel kamen gut ausgebildete Frauen zu Wort, die ihre Karriere zugunsten ihrer Kinder für einige Zeit auf Eis legen und sich dabei auch noch wohl fühlen.

Kommentar: Was bedeutet Emanzipation heute?

Die Gleichstellung von Mann und Frau gehört zu den wichtigsten Leistungen der modernen Gesellschaft. Was bedeutet es aber, wenn immer mehr junge, gut ausgebildete Frauen davon anscheinend keinen Gebrauch machen? Die Zahl junger Akademikerinnen mit ausgedehnter Elternzeit steigt. Und auch danach wählen nicht alle Frauen wieder Vollzeitstellen im Beruf.

Der AfD wird immer wieder vorgeworfen, sie stelle sich gegen die Frauenbewegung, sie sei als Partei sogar „frauenfeindlich“, wie Innenminister Maas (SPD) kürzlich postulierte. Sie sehe die Frau als Heimchen am Herd und den Mann als Alleinverdiener und -ernährer der Familie. Dabei geht es eigentlich um etwas anderes: Die persönliche Freiheit, den Weg für das eigene Leben frei wählen zu dürfen.

Jungen Frauen, besonders wenn sie eine gute Ausbildung genossen haben, steht heute die ganze Welt offen – und das ist gut so. Dennoch entscheiden sich genau diese Frauen zunehmend gegen eine schnelle Karriere – dafür aber für die Kindererziehung. Die häufigste Verdienst-Konstellation in Deutschland: Sie arbeitet Teilzeit, er arbeitet Vollzeit. Diese Konstellation ist natürlich nicht vorgeschrieben – trotzdem ist die Geburt eines Kindes offenbar in der Lage, die Prioritäten der Eltern zu verschieben. Soziologen sprechen in diesem Zusammenhang auch von einem „Rückfall in traditionelle Strukturen“.

Die Frage lautet nun: Sind „Traditionen“ etwas Schlimmes?

Kinder brauchen ihre Eltern

Auch die beste Ganztages-Betreuung kann und darf die Erziehung durch die Eltern nicht ersetzen. Nur zu Mutter und Vater hat das Kind ein „Urvertrauen“. Erziehung, besonders im Kleinkind-Alter, ist damit in erster Linie die Aufgabe der Eltern und nicht ganz zufällig auch in unserem Grundgesetz so verankert. Darüber, wann der Staat durch Kinderkrippe und Kindergarten in die Erziehung einbezogen wird, sollten die Eltern frei entscheiden können. Wenn Eltern das Wohl ihrer Kinder über ihr wirtschaftliches oder gesellschaftliches Vorankommen stellen, dann haben sie dafür sogar eine besondere gesellschaftliche Anerkennung verdient.

Emanzipation heißt Freiheit

Für die Entscheidung, zumindest eine Zeit lang, ausschließlich Mutter zu sein, sollte eine Frau die gleiche gesellschaftliche Anerkennung erhalten wie für die Entscheidung, sich auf die eigene Karriere zu konzentrieren. Gleiches gilt auch für den Mann. Der Begriff Emanzipation erstreckt sich nicht ausschließlich auf das gesellschaftliche Verhältnis von Mann und Frau. Vielmehr geht es darum, sich aus einer bisherigen Abhängigkeit zu befreien.

Sicher hat die Emanzipation ihren Ursprung darin, dass Frauen, besonders in wirtschaftlichen Fragen, unabhängig von ihren Männern wurden. Heute gibt es jedoch auch andere Faktoren, von denen man sich emanzipieren kann. Die Familie ist ein Hort der Sicherheit,  Bindung und Konstanz. Die Anforderungen der Berufswelt gerade im Hinblick auf Flexibilität und Mobilität stehen diesen Familienattributen diamentral gegenüber. Einige der im o.g. Artikel zu Wort gekommenen Frauen brachten deshalb zum Ausdruck, dass sie sich den Stress der Doppelbelastung nicht antun möchten. Denn Fakt ist: eine externe Kinderbetreuung führt allenfalls dazu, dass die Frauen „entspannt“ und unabgelenkt, also im Sinne der Wirtschaft und des Arbeitgebers, ihrer Arbeit nachkommen können. Und damit ist auch klar, unter welchem Blickwinkel die Idee der bundesdeutschen Familienministerin Schwesig (SPD) nach einer 24-Stunden-Kita gefällt worden ist: nämlich, dass die Frau in allererster Linie eine Arbeitskraft, eine Fachkraft ist und nur in zweiter Mutter. Auch dürfte allen klar sein, dass durch eine Fremdbetreuung der Kinder die Anforderungen der Familienarbeit und des Haushalts nicht kleiner werden. Kleiner wird nur das Zeitfenster, welches dafür zur Verfügung steht.

 

Emanzipation beutet also in Hinblick auf Kindererziehung vornehmlich die freie Entscheidung, wie und wo die Erziehung der eigenen Kinder erfolgt. Das ist ganz individuell, es muss aber gelten: egal für welches Erziehungsmodell sich Familien entscheiden, gesellschaftlich gleichwertig müssen sie sein.