Forderung des Chefs des Deutschen Lehrerverbandes nach „schwererem“ Abitur führt ohne einheitlichen Bildungsstandard ins Leere

Andrea Kersten Pressemitteilung

 

Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes,
fordert eine Anhebung des Abitur-Niveaus. Der Süddeutschen Zeitung
sagte Meidinger, dass man aufgrund der Einser-Noten-Inflation nur noch
schwer die Spreu vom Weizen trennen könne.

Andrea Kersten, MdL der Blauen Partei und bildungspolitische
Sprecherin der Blauen Gruppe im Sächsischen Landtag, kommentiert:

„Herr Meidinger hat einerseits recht. Nicht die Schüler sind besser
geworden, sondern die Abiturnoten. Es war und ist politisch gewollt,
dass möglichst viele Schüler Abitur machen und in die Unis strömen.
Vor allem mit der Abschaffung verbindlicher Bildungsempfehlungen -wie
kürzlich auch in Sachsen geschehen- wird diesem Trend weiter Vorschub
geleistet. Denn kein Gymnasium will am Ende damit werben, dass es
möglichst viele seiner Schüler durchs Abitur fallen lässt. Als erstes
sollte demnach der Zugang zum Gymnasium erschwert werden, um sich
danach das Abiturniveau anzuschauen. Aber was würde ein
anspruchsvolleres Abitur nützen, wenn bundesweit weiterhin
unterschiedliche Standards gelten? Wir brauchen einheitliche
Bildungsstandards in Deutschland, und diese sollten sich nicht an den
Standards von Berlin oder Bremen orientieren, sondern an denen von
Sachsen und Bayern. Interessant wäre in diesem Zusammenhang mal eine
Erhebung, aus welchen Bundesländern jene Studienanfänger mehrheitlich
stammen, die die mittlerweile an jeder Uni inflationär stattfindenden
Vorbereitungskurse besuchen. Diese würde sicherlich erste Schlüsse zu
den länderspezifischen Abitur-Niveaus zulassen.

Die Forderung von Herrn Meidinger ist also so lange Makulatur, wie die
Bundesländer ihre Bildungsstandards individuell festlegen können. Erst
eine durchgängige Richtschnur würde dem Ruf Gewicht verleihen. So
führt das, nicht ganz unberechtigte Ansinnen, leider ins Leere.“

05.03.2018

Blaue Gruppe im Sächsischen Landtag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.