Unzufriedenheit sächsischer Lehrer – Achtungszeichen für Bildungsstandort

Andrea Kersten Pressemitteilung

 

Wie die Freie Presse Chemnitz berichtete, warnen sächsische Lehrer im Zusammenhang mit dem Beginn der Abiturprüfungen im Freistaat vor einem Niveauabfall des sächsischen Abiturs. Hintergrund ist die Tatsache, dass auf dem angeblichen „Weg zu mehr Vergleichbarkeit und Gerechtigkeit beim Abitur in Deutschland“, so der sächsische Kultusminister Christian Piwarz (CDU), seit letztem Jahr acht Bundesländer einen gemeinsamen Aufgabenpool  für die schriftlichen Abiturprüfungen entwickelt haben, aus welchem die Bundesländer nun ihre Prüfungsaufgaben auswählen.

Dazu Andrea Kersten MdL, Mitglied und bildungspolitische Sprecherin der Blauen Gruppe im Sächsischen Landtag:

„Die Warnungen der sächsischen Lehrer sind berechtigt. Offensichtlich beweist sich wieder einmal, Niveauangleichung findet nie auf dem Level der Besten statt. Das im bundesweiten Vergleich bisher als besonders anspruchsvoll eingeschätzte Sachsen-Abitur ist demnach nicht Maß der Dinge gewesen. Der in den zurückliegenden Jahren zunehmende Anteil jener Abiturienten, die mit einer eins vor dem Komma ihres Notendurchschnitts abschließen, ist dafür Indiz. Diese Verwässerung ist nicht nur bedauerlich, sondern schlicht nicht hinnehmbar. Denn sie ist vor allem auch eines, ungerecht gegenüber den leistungsstarken Schülern.

Sachsen ist zu Recht stolz auf seinen guten Ruf als Bildungsstandort – auch wenn es noch viel zu verbessern gibt. Was sich der Freistaat aber auf keinen Fall leisten kann, ist ein Niveauabfall beim Abitur unter dem wohlklingenden Etikett der ‚Gerechtigkeit‘. Sächsische Schüler werden bisher auf hohem Niveau auf das Abitur vorbereitet – also sollte auch der Abschluss diesem gerecht werden. Das ist vor allem für die Schüler selbst wichtig. Ein als hochwertig bekanntes Abitur kann für den weiteren Bildungsweg goldwert sein.

Die Unzufriedenheit der Lehrer in Sachsen spiegelt sich aber auch noch an anderen Stellen wieder. Zunehmend erhalten Landtagsabgeordnete E-Mails, in denen die Unzufriedenheit mit der Bildungspolitik in Sachsen sehr deutlich zum Ausdruck gebracht wird. Zum einen betrifft das die angedachte Verbeamtung eines nur kleinen Teils der sächsischen Lehrer, zum anderen die geplante Kürzung der Schulstunden für die Fächer Sport, Musik und Kunst. Das gipfelte nun in der Übergabe einer Petition des Verbandes der sächsischen Sportlehrer an den Landtagspräsidenten.

Vor dem Hintergrund der steigenden Unzufriedenheit in den Lehrerzimmern muss deshalb die Frage an das sächsische Kultusministerium sehr deutlich gestellt werden, inwiefern es bei politischen Entscheidungen überhaupt Praktiker – also Lehrer – mit am Tisch hatte? Auf die Erfahrungen des Staatsministers kann ja nicht zurückgegriffen werden. Es gibt bekanntermaßen keine. Womöglich rächt sich jetzt, dass statt eines Schulprofis nun ein Politikprofi an der Spitze des Hauses steht.

Der Kultusminister muss jetzt Farbe bekennen, wie er mit der Kritik aus der Lehrerschaft gedenkt umzugehen. Darüber hinaus erwarte ich, dass er Stellung bezieht, inwiefern er sich bei der Angleichung der Bildungsstandards dafür eingesetzt hat, dass sich die Abiturprüfungen am höchsten Niveau, sprich dem sächsischen Standard orientieren.“

18.04.2018

Blaue Gruppe im Sächsischen Landtag

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