Özil und Gündogan Teil 2 – weshalb sie nicht suspendiert wurden

Andrea Kersten Aktuelles

Nach ihrem Skandalfoto mit dem Türkischen Präsidenten gibt es auch Tage danach noch reichlich Redebedarf. Durch die Nominierung für den WM-Kader einen Tag nach dem Kniefall vor Erdogan, gab es sportlich für die beiden Spieler schon mal kein persönliches Nachspiel. Nun scheint es auch so, als hätte die Treuebekundung gegenüber einem Diktator auch keine finanziellen Folgen für Özil und Gündogan. Die Sponsoren der beiden wie zum Beispiel Mercedes-Benz, Adidas und Konami finden das Ganze nämlich gar nicht so schlimm. Da die Erdogan-Jünger bei dem Treffen nicht als Markenbotschafter der jeweiligen Unternehmen aufgetreten sind, bestehe kein Handlungsbedarf. Peinlich! So sehen das übrigens auch die Deutschen: 80% der Befragten in einer Civey-Umfrage für Fokus Online sind der Meinung, dass diese beiden Spieler nicht mehr das Trikot der Nationalmannschaft tragen sollten.

 

Ein Umfrageergebnis, welches auch an Özil und Gündogan nicht vorbeigezogen ist. So wurde kurzfristig ein Treffen beim Deutschen Bundespräsidenten engagiert, medienwirksam versteht sich. Sogar ihren Urlaub unterbrachen sie dafür – welch ein Einsatz für ihr Land! Und so drängt sich dem Otto-Normalbürger schnell die Frage auf, ob er denn auch mal eine Privataudienz beim Bundespräsidenten anmelden dürfte und dann auch noch einen Tag später einen Termin bekommt – wohl eher nicht. Schade eigentlich, gern hätte ich mich mit ihm auch ausführlich „über Sport und Politik unterhalten“ – so der O-Ton meines Bundespräsidenten Steinmeier.


Besonders interessant wird es aber jetzt. Es darf nach diesem Vorfall die Glaubwürdigkeit und die Unabhängigkeit des Bundestrainers Joachim Löw stark bezweifelt werden.

Der Grund: Özil und Gündogan werden beide von der Berateragentur „Family & Football“ betreut. Das Wort „Family“ (deutsch: Familie) scheint hier Programm zu sein. Denn zu den Mitarbeitern der Agentur zählen unter anderem Mutlu Özil, Bruder des Arsenal-Spielers und Ilhan Gündogan, Onkel von ManCity-Profi Ilkay. Alles also sehr familiär!

 

Das Problem: Neben 5 Spielern betreut diese Agentur eben auch 3 Trainer – darunter einen gewisser Joachim Löw. Klingt unfassbar, ist aber wahr.

 

Und so entwickelt sich auch eine gewisse Logik, warum Löw auf die Frage, ob es Überlegungen gab, Özil und Gündogan nicht zu nominieren, mit „natürlich nicht“ geantwortet hatte. Gegen seine eigenen Berater, welche zufälligerweise Bruder beziehungsweise Onkel der beiden Fußballer sind, konnte man wohl nicht entscheiden.

 

Wenn Autoren wie Uwe Tellkamp kritisch über die Kanzlerin schreiben, trennen sich die Verlage von ihnen. Es scheint also in Deutschland größere negative Konsequenzen zu haben, wenn man sich gegen Frau Merkel äußert, als sich mit einem Diktator fotografieren zu lassen und dabei dessen Wahlkampf zu unterstützen. Wie bitter!

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.