„Die Mannschaft“ ohne Nation

Andrea Kersten Aktuelles

 

Deutschland ist als Gruppenletzter ausgeschieden. Zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Fußballs war bereits in der Gruppenphase einer Weltmeisterschaft Endstation. Was bleibt ist die Enttäuschung von Millionen deutscher Fans und eine Blamage vor der Weltöffentlichkeit.

Und so enttäuschend diese WM auch für uns Deutsche gelaufen ist, so deutete sich diese miserable Leistung schon früh an. Nach mäßigen bis schlechten Vorbereitungsspielen ließen Mesut Özil und Ilkay Gündogan die Bombe mit ihrem Foto platzen, auf welchem sie mit dem türkischen Präsidenten posierten. Damit haben die beiden jedem Fan und jedem Mannschaftsmitglied einen Bärendienst erwiesen. Der Fokus innerhalb der Mannschaft und in der Öffentlichkeit legte sich von dem Turnier auf ein Rendezvous mit 2 Nationalspielern und einem Diktator. Die lasche Herangehensweise seitens des DFB und die Nominierung der beiden Erdogan-Jünger taten ihr Übriges hinzu. Dass diese Nominierung die größte Fehlentscheidung in der Ära Löw gewesen ist, sollte nun nach dem Ausscheiden auch der letzte erkannt haben. Ich hoffe, dass der Bundestrainer dies letztlich auch so gesehen hat, allerdings fehlte ihm das Rückgrat, diese Entscheidung zu treffen. Aus Angst vor seiner Berater-Agentur „Football & Family“, welche sich u.a. aus engen Verwandten von Özil und Gündogan zusammensetzt, hat er den Erfolg Deutschlands auf Spiel gesetzt.

Und als ob dieses Ausscheiden nicht schon blamabel genug ist, musste man sich den wohl anmaßendsten Titel für eine Fußballmannschaft geben. „Die Mannschaft“, die bei dieser WM zu keinem Zeitpunkt eine Mannschaft war. Fehlender Zusammenhalt, fehlender Einsatz, fehlende Ideen – noch nie identifizierte sich ein Land so wenig mit einer Nationalelf, wie es in diesem Jahr der Fall war. Und doch war der Name „Die Mannschaft“ noch nie passender als in diesem Jahr, denn für eine Nationalmannschaft hat es aufgrund fehlender Identifikation mit der Nation und deren Tugenden nicht gereicht.

Selten eignete sich eine Mannschaft so gut als Spiegelbild der Gesellschaft. Der fehlende Zusammenhalt ist in der Gesellschaft genauso zu beobachten wie in der Nationalmannschaft. Der fehlende Mut des Einzelnen und eine nicht vorhandene Führungsfigur, welche in den entscheidenden Momenten das Richtige tut, es durchzieht und sich nicht hinter anderen versteckt. All das sind Dinge, welche für Deutschland und die Nationalelf gelten. All das sind ausreichend Gründe, den Weg für einen Neuanfang frei zu machen – in der Politik und in der Mannschaft.

Man kann sich nur wünschen, dass unsere Fußballmannschaft wieder zu einem Aushängeschild für Deutschland wird. Dafür braucht es einen Umbruch im DFB mit seinen zum Teil korrupten Mitgliedern und in der Nationalmannschaft selbst. Was nun gebraucht wird, ist ein junges, hungriges Team, welches es als eine Ehre ansieht, das deutsche Trikot zu tragen und auch eine Verpflichtung darin sieht, die vielen Fans mit Einsatz und Ehrgeiz glücklich zu machen.

 

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