Probleme in Schulklassen: Lehrer sollen in erster Linie lehren, dann hinschauen

Andrea Kersten Pressemitteilung

Am heutigen Donnerstag tritt Sachsen dem bundesweiten Bündnis „Schule gegen sexuelle Gewalt“ bei. Ziel soll es sein, dass in allen Schulen Schutzkonzepte zum Alltag gehören. Kinder sollen mit Lehrern über Missbrauchserfahrungen reden können, zudem sollen Pädagogen besser geschult werden, um Signale bei Schülern frühzeitig zu erkennen.

Andrea Kersten, bildungspolitische Sprecherin der Blauen Gruppe im Sächsischen Landtag, MdL, gibt zu bedenken:

„Ohne Frage: Missbrauchte Kinder brauchen all unseren Schutz und Vertrauen, um ihnen die Verarbeitung und Verfolgung des Erlebten so schmerzlos wie möglich zu machen. Hinschauen müssen natürlich nicht nur Eltern, Freunde, Geschwister, sondern auch die, mit denen Schüler fast den ganzen Tag zusammen sind. Lehrer sollten Wegweiser und Zuhörer sein und sich auch nicht scheuen, Kinder anzusprechen, wenn ihnen etwas auffällt.

Und so wichtig die Initiative nun ist, sollte man dennoch pädagogische Kernaufgaben nicht aus dem Blick verlieren. Lehrer können nicht Seismographen für jegliche Veränderung im Leben der Schüler sein. Im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit, der überfüllten Klassen, der Vor- und Nachbereitungsstunden, der alles andere als optimalen Lehrbedingungen, kann man ihnen nicht abverlangen, überall ein Auge drauf zu haben.

Nimmt ein Kind Drogen? Hat es psychische Probleme? Wird es gemobbt?

Ist zu Hause alles in Ordnung? Ist es ein Problemfall?

Pädagogen mittels separaten Seminaren beizubringen, das alles sehen zu müssen, ist für uns Blaue der falsche Weg. Lehrern blicken ja grundsätzlich mit ihrem pädagogisch geschulten Auge auf ihre Schüler.

Gleichwohl sollen sie das machen, wofür sie von uns und unseren Kindern geschätzt werden: Das Rüstzeug für den weiteren Lebensweg mitgeben. Soziale Hilfestellung ist gut, aber bitte noch nicht mehr familiäre und gesellschaftliche Verantwortungsbereiche auf unsere Lehrer übertragen.“

20.09.2018