Schulpartnerschaften in Sachsen

Anfragen Andrea Kersten Bürgerforum Blaue Wende

Kleine Anfrage Drs.-Nr.: 6/13669

den Fragen sind folgende Ausführungen vorangestellt: „Dem Bericht der Staatsregierung (Drs. 6/12518) zum Beschluss des Sächsischen Land- tages vom 14.12.2017 zu dem Antrag der Fraktionen der CDU und der SPD zum Thema ‚Erasmus+ für Sachsen verstärkt nutzen‘ (Drs. 6/11381) ist zu entnehmen, dass im Schulbereich der Rückgang bei der Förderung von Schulpartnerschaften auf das aufwändige Antragsver- fahren und das sehr komplexe und bürokratische Verwaltungsverfah- ren im Rahmen von Erasmus+ zurückzuführen ist. […] Mit dem Wegfall der vorbereitenden Besuche ist es zudem nicht mehr möglich, gemein- sam mit einem zukünftigen Partner vor Ort an einem gemeinsamen Pro- jeklantrag zu arbeiten. Schulen nutzen deshalb verstärkt Fördermög- lichkeiten des Freistaates Sachsen, um Schulpartnerschaften und Maßnahmen der internationalen Bildungskooperation zu realisieren.

Namens und im Auftrag der Sächsischen Staatsregierung beantworte ich die Kleine Anfrage wie folgt:

Frage 1: Welche Fördermöglichkeiten gibt es derzeit für die sächsischen Schulen, um Schulpartnerschaften und Maßnahmen internatio- naler Bildungskooperation zu realisieren und welchen Umfang haben die einzelnen Fördermöglichkeiten jeweils?

Für sächsische Schulen bestehen verschiedene Fördermöglichkeiten, um im Rahmen von Schulpartnerschaften Maßnahmen und Projekte internationaler Bildungskooperation zu realisieren. Neben Landesmitteln des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus gibt es weitere Förderprogramme des Bundes, der Europäischen Union sowie von in diesem Bereich tätigen Organisatio- nen, Stiftungen und Vereinen. Die folgende Aufzählung, welche als nicht abschließend zu betrachten ist, dient der Verdeutlichung der zahlreichen Möglichkeiten:

  • EU-Programm Erasmus+,
  • Förderprogramme des Pädagogischen Austauschdienstes (Abteilung im Sekretariat der Kultusministerkonferenz),
  • Partnerschulinitiative des Auswärtigen Amtes (P ASCH),
  • Parlamentarisches Patenschafts-Programm des Deutschen Bundestages,
  • Programme verschiedener Stiftungen, bilateraler Jugendwerke oder Austauschorganisationen, z. B.: Deutsch-Französisches Jugendwerk,Deutsch-Polnisches Jugendwerk, Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, Tandem (Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch), ConAct (Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch), British Council,
    German American Partnership Programm (GAPP).

Der Freistaat Sachsen unterstützt mit Landesmitteln Maßnahmen nach der Richtlinie Sächsischen Staatsministeriums für Kultus zur „Förderung von Maßnahmen imRahmen der internationalen Bildungskooperation an sächsischen Schulen (FRL lntBil- koop)“. Diese Zuschüsse werden durch das Landesamt für Schule und Bildung auf Antrag gewährt.

Zum Umfang etwaiger Fördermaßnahmen können in Bezug auf die FRL lntBilkoop Aussagen getroffen werden. Demgemäß kann beim Klassen- oder Schülergruppenaus- tausch eine Zuwendung bei Maßnahmen imLand des Partners für die sächsischen Schüler bis zu 70 Prozent der Fahrtkosten, jedoch höchstens 350 EUR je Teilnehmer als Festbetragsfinanzierung gewährt werden. Bei Vorliegen einer Beeinträchtigung der Teilhabe durch eine Behinderung der Schüler kann der Fördersatz auf bis zu 85 Prozent der Fahrtkosten,jedoch auf höchstens 450 EURerhöht werden.Bei Maßnahmen im Inland kann eine Zuwendung zu den Projektkosten der Teilnehmer aus dem Freistaat Sachsen und aus dem Ausland bis zu 70 Prozent der Projektkosten,jedoch höchstens 4000 EUR als Festbetragsfinanzierung gewährt werden.

Frage 2: Wie viele sächsische Schulen haben sich seit 2010 an Schulpartnerschaften und/oder Maßnahmen internationaler Bildungskooperation mit welchen Ländern zur Umsetzung bzw. Verwirklichung welcher Themen, Inhalte und Ziele beteiligt und mithilfe welcher Fördermöglichkeiten inwelcher Höhe wurde der Austausch jeweils unterstützt? (Bitte die Antwort nach Jahren aufschlüsseln.)

Schulpartnerschaften und daraus resultierende Projekte sind vorrangig als Maßnahmen internationaler Bildungskooperation einzuordnen. Laut Meldung des Statistischen Landesamtes pflegten seit 2010 bis 2018 kontinuierlich ca. 400 bis 450 sächsische Schulen aller Schularten partnerschaftliche Beziehungen zuschulischen Einrichtungen imAusland. Die Partnerschaften mit den Nachbarländern Polen und der Tschechischen Republik nahmen hierbei regelmäßig Rang 1 und 2 ein, gefolgt von den Partnerschaften mit Frankreich. Der Anlage sind weiterführende Angaben sächsischer Schul- partnerschaften beginnend ab 2010 untergliedert nach Partnerland und Schulart zu entnehmen.

Vorrangig standen und stehen bei der Realisierung von Austauschprojekten u .a. der gemeinsame Schulbesuch in der Partnerschule mit dem Kennenlernen des jeweiligen Schulsystems und der Vertiefung der Partnersprache, dem Kennenlernen landeskundlieher und kultureller Aspekte, die Unterkunft in Gastfamilien und die damit verbundenen persönlichen interkulturellen Erfahrungen der Schüler und Lehrer im Fokus der Maßnahmen. Des Weiteren werden im fachübergreifenden Unterricht gemeinsam Themen aus den Bereichen Umwelt, Politik, Geschichte, Europa, Wirtschaft, Literatur und Natur behandelt. Aber auch gemeinsame Sportveranstaltungen, das Musizieren, bilaterale Theatervorstellungen, Erproben von Kochrezepten sind Bestandteile der Austauschprogramme. Statistiken hierzu liegen jedoch nicht vor.

Im Zeitraum von Bildung ca.1.830 gefördert.

2010 bis 2018 wurden seitens des Landesamtes für Schule und Austauschmaßnahmen mit folgenden Jahresgesamtfördersummen

2010: 267,1 T€

2011: 215,8T€

2012: 220,5 T€

2013: 317,3 T€

2014: 342,1 T€

2015: 335,6 T€

2016: 314,9 T€

2017: 316,1 T€

Frage 3: Wie werden von den teilnehmenden Schulen die o.g. Schulpartnerschaften bzw. Maßnahmen internationaler Bildungskooperation bewertet und welche sächsischen Schulen führen oder führten diese Projekte über mehrere Jahre?

Schulpartnerschaften und daraus resultierende Maßnahmen werden in Eigenverantwortung der sächsischen Schulen im Rahmen des jeweiligen Schulprofils und -zieles organisiert und gelebt. Die Mehrheit der Schulen pflegen langjährige Schulpartnerschaften und führen regelmäßig Schüleraustauschprojekte durch. Auf die Statistik in der Anlage wird verwiesen. Bewertungen einzelner Schulen werden statistisch nicht erfasst.

Frage 4: ln welchen Haushaltstiteln sind derzeit die Mittel für die Fördermöglichkeiten des Freistaates Sachsen für Schulpartnerschaften und Maßnahmen der internationalen Bildungskooperation in welcher Höhe eingestellt?

Mittel für Maßnahmen, die auf Grundlage der FRL lntBilkoop bezuschusst werden, sind in Kapitel 05 45, Titelgruppe 90 „Förderung des Lehrer-, Schüler- und Assistentenaus- tausches, internationale Bildungskooperation, Fremdsprachenförderung“ eingestellt. Die Verbuchung erfolgt bei den Titeln 633 90 und 684 90. Für 2017 und 2018 standen bzw. stehen für diese Zwecke unter Inanspruchnahme der gegenseitigen Deckungsfähigkeit jeweils 370,0 T€ zur Verfügung.

Frage 5: Was unternimmt die Staatsregierung, um die sächsischen Schulen, Lehrer und Schüler auf die Möglichkeit der Teilnahme an Schulpartnerschaften oder sonstige Maßnahmen der internationalen Bildungskooperation gezielt hinzuweisen?

Sächsische Schulen, Lehrer und Schüler werden auf der Hornepage des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus unter www.bildung.sachsen.de über aktuelle Ausschreibungen im internationalen Bereich informiert.

Des Weiteren weist das Landesamt für Schule und Bildung regelmäßig durch das Sächsische Schulportal, Menüpunkt Internationales/Sprachen auf laufende Projekte und Angebote für Lehrer und Schüler sowie Ausschreibungen hin. Schulleiterbriefe, z. B. vom Mai 2018, informieren die Schulen zu Fördermöglichkeiten der EU- Förderung. Aber auch Angebote zu Fortbildungen, Informationsveranstaltungen für Schulleiter und Lehrer, Partnerschaftsbörsen mit ausländischen Lehrkräften werden durch das Sächsische Staatsministerium für Kultus in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Bildung und Schule und auch an den Lehrerausbildungsstätten für Referendare fortlaufend durchgeführt. Die Referenten für interkulturelle Bildung und Erziehung an den Standorten Bautzen, Chemnitz, Dresden, Leipzig und Zwickau beraten Schulleiter, Lehrer, Eltern und Schüler ganzjährig vor Ort u. a. auch zu Fragen der Antragstellung und Abrechnung von Austauschmaßnahmen und Fortbildungsprojekten.

Die komplette Korrespondenz finden Sie unter edas.landtag.sachsen.de oder hier.