Lehrerverbeamtung ist teure Maßnahme, die nicht einem Lehrer den Alltag erleichtert!

Andrea Kersten Pressemitteilung
Zum Gesetzentwurf der Staatsregierung, „Gesetz zur Umsetzung des Handlungsprogramms der Sächsischen Staatsregierung zur nachhaltigen Sicherung der Bildungsqualität in Sachsen“ erklärt Andrea Kersten, MdL der Blauen Partei #TeamPetry, bildungspolitische Sprecherin: „In dieser Legislaturperiode gab es verschiedene Ansätze zur Lehrergewinnung, die jeder für sich der ‚Bringer‘ sein sollten. Im September 2015 begann es mit dem Sachsenstipendium. Auch wenn die ersten angebotenen Stipendien schnell vergeben waren, änderte sich an der Situation an den Schulen freilich nichts: Weiterhin zunehmender Unterrichtsfall, überlastete Lehrkräfte, zu wenige Lehramtsabsolventen, die in Sachsen bleiben bzw. außerhalb der Großstädte Dresden und Leipzig unterrichten wollten. Es kam, wie es kommen musste – eine einzelne Maßnahme reicht nicht mehr zur Unterrichtsabsicherung aus, es brauchte ein Maßnahmenpaket. Es hieß ‚Zukunftsfähige Schule für Sachsen‘ und wurde mit rund 213 Millionen Euro am 25.10.2016 geschnürt. Ein Jahr später hieß es im Blog des Kultusministeriums zu diesem Paket: ‚… Ziel war es, den Lehrerberuf in Sachsen attraktiver zu machen und die Lehrerversorgung zu verbessern. Nach einem Jahr lässt sich feststellen: Das Maßnahmepaket hat seine _volle _Wirkung entfaltet.‘ Natürlich haben jene Lehrer, die die Möglichkeit zur Höhergruppierung hatten, die auch genutzt, natürlich haben sich Referendare gern besser bezahlen lassen, natürlich haben über 500 Lehrer, die noch nicht das 63. Lebensjahr erreicht hatten, eine Bindungszulage beantragt und natürlich lassen sich Lehrkräfte gern ihre Überstunden entlohnen. Allerdings gab es nur 14 Lehrer aus anderen Bundesländern, die nach Sachsen gelockt werden konnten. Auch haben fast 650 Lehrer Teilzeitbeschäftigung auf Vollzeit erhöht. Um wie viele zusätzliche Stunden, also Lehrerarbeitsvermögen, dadurch für Sachsen generiert werden konnte,  haben wir leider nicht erfahren. Die volle Wirkung war aber offensichtlich ebenfalls nicht ausreichend. Im März 2018 beschließt das Kabinett deshalb ein weiteres Handlungsprogramm mit einem Volumen von 1,7 Milliarden Euro. Doch die verschiedenen Maßnahmen haben nun  dazu geführt, dass ein großes Puzzle geschaffen wurde, bei dem die Teile irgendwie nicht passen wollen. Denn die Reaktionen auf das Handlungsprogramm insgesamt können nicht wirklich als positiv bezeichnet werden: Wir lesen oder hören von Ungerechtigkeit und Spaltung im Klassenzimmer, einer zwei-Klassen-Lehrerschaft, fehlender Wertschätzung, nachträglicher Abwertung der Leistungen der älteren Lehrer, Nettolohnlücken, Neiddebatten et cetera. Und was erreichen wir nun mit der anstehenden Verbeamtungsmöglichkeit? Der Freistaat hat dadurch kein besseres Angebot als andere Bundesländer auf den Tisch gelegt; Sachsen zieht jetzt lediglich gleich mit anderen Ländern, die aber ebenfalls Probleme bei der Lehrergewinnung haben. Wäre es nicht besser, man würde ein Angebot unterbreiten, das sich tatsächlich von anderen Bundesländern abhebt, man würde Bedingungen anbieten, die sich die Lehrer selbst wünschen? Nämlich bessere Rahmenbedingungen für den Arbeitsalltag! Eine Klassenleiterstunde, die Absenkung des Pflichtstundenmaßes oder auch kleinere Klassengrößen.  Stattdessen bekommen wir eine teure Verbeamtung, die nicht einem einzigen Lehrer den Arbeitsalltag erleichtert! Schade ist auch, dass die derzeitige angespannte Situation auf dem Lehrerarbeitsmarkt nicht dazu geführt hat, die Gretchenfrage der heutigen  Bildungspolitik in Deutschland zu diskutieren: Braucht es wirklich Lehrer, die Beamte sind? Mit dem Anstoßen dieser Diskussionen hätte Sachsen eine Vorreiterrolle einnehmen können! Unsere Regierung hat diese Chance aber nicht ergriffen. Stattdessen macht Sachsen nun das, was alle machen und hofft erstaunlicherweise darauf, dass es uns dann besser geht als den Bundesländern, die das schon länger tun.