Kopfnoten beibehalten!

Das Verwaltungsgericht in Dresden hat am 26.11.18 sächsischen Schülern das Recht zugesprochen, Zeugnisse der 9. bzw. 10. Klasse auch ohne Kopfnoten zu verlangen. Geklagt hatte ein Schüler, der sich mit dem Zeugnis des 9. Schuljahres auf einen Ausbildungsplatz bewerben wollte. Laut den Richtern am Verwaltungsgericht stellten Kopfnoten einen Eingriff in die Grundrechte bei der freien Berufswahl dar.

Noten sind für die Arbeitgeber relevant, da diese leicht verständlich und schnell über die Stärken und Schwächen des Schülers informieren. Demzufolge sind alle Noten geeignet, die freie Berufswahl des Bewerbers einzuschränken. Dennoch gilt für Fachnoten wie auch für Kopfnoten, dass diese keine Zufallsprodukte sind. Jeder Schüler hat die Möglichkeit sich mit guten Leistungen, Einsatz und Benehmen gute Noten zu erarbeiten. Auch die Kopfnoten werden nicht willkürlich festgelegt, sondern auf einer Lehrerkonferenz von allen Lehrern gemeinsam festgelegt. Sie bieten potentiellen Arbeitgebern die Möglichkeit, sich vom Bewerber ein Bild zu machen, welches über das im Bewerbungsgespräch vermittelte hinaus geht und dieses ergänzt. Die Kopfnoten sind die Einschätzung mehrerer Pädagogen über ein gesamtes Schuljahr.

Inwiefern nun also explizit Kopfnoten die freie Berufswahl einschränken sollen, erschließt sich mir absolut nicht. Vielmehr können diese Noten fachliche Defizite ausgleichen und vermitteln dem Arbeitgeber ein differenziertes Bild des Bewerbers.

Gerade in der heutigen Zeit, in welcher Kompetenzen eine immer größere Rolle spielen, vermitteln diese Noten ja auch einen Eindruck darüber, wie sich der Schüler sozial verhält: ist er Willens, sich im Umfeld seiner Schule respektvoll zu verhalten? Bringt er Fleiß und Willen mit, zu lernen? Kann er sich in ein Team einbringen, nimmt er aktiv am Unterricht teil? All das sind Eigenschaften, die künftigen Arbeitgebern oder Ausbildungsbetrieben wichtig sind, oftmals wichtiger als eine Fachnote. Somit können viele Bewerber nicht trotz, sondern gerade wegen der Kopfnoten eine Chance erhalten, sich zu beweisen.

Wer sich aber weder mit Lehrern noch Schülern arrangieren kann, der wird es auch in einem Unternehmen schwerer haben, ein vollwertiger Teil eines Teams zu werden. Kopfnoten bilden eben erste Anhaltspunkte, ob sich der Bewerber für eine Stelle eignet, nicht mehr aber auch nicht weniger. Demzufolge halte ich den Erhalt der Kopfnoten für sehr wichtig. Das Urteil suggeriert leider einmal mehr, das Benimm, Anstand und Respekt immer weniger zählen.