Aktuell kein Zuschlag für Lehreranwärter: Verständnis für Misstrauen ist angebracht

Andrea Kersten Pressemitteilung

Sachsens Staatsregierung sorgt unter den Nachwuchslehrern für Verdruss. Ursprünglich war geplant, eine Zulage von 1.000 Euro brutto monatlich ab 01. Januar an Referendare zu zahlen, die außerhalb der Ballungsräume Dresden und Leipzig unterrichten wollen. Die Maßnahme soll dazu dienen, dem Lehrermangel auf dem Land bzw. in Regionen mit besonders akutem Lehrerbedarf entgegenzuwirken. Wie das Kultusministerium auf Nachfrage der „Freien Presse“ aus Chemnitz mitteilte, ist die Zulage nun erst ab dem 01. August dieses Jahres geplant.

Bildungspolitikerin Andrea Kersten, MdL der Blauen Partei #TeamPetry, kritisiert:

„Landauf, landab vernehmen wir unaufhörlich Erfolgsmeldungen aus dem sächsischen Kultusministerium, wie erfolgreich man doch die Herausforderungen des Lehrermangels in Angriff genommen hätte. Neben der inzwischen gestarteten Verbeamtung sollte die Zulage für Referendare ein verheißungsvolles Mittel zur Lehrergewinnung – vor allem auf dem Land – sein. Aber nun muss Minister Christian Piwarz (CDU) reumütig zugeben, dass der Freistaat gar nicht daran denkt, sein Versprechen einzuhalten.

Wer sich als Lehreranwärter auch aufgrund dieser in Aussicht gestellten Zulage bewusst für ein Referendariat in Sachsens ländlichem Raum entschied, wird sich jetzt böse veralbert vorkommen. Auch wird dieser Fakt negativen Einfluss auf das Bewerbungsverhalten von angehenden Referendaren ab 01. August 2019 haben. Das ist schon schlimm genug.

Noch katastrophaler ist allerdings das Bild, das Sachsen mit dieser Entscheidung abgibt. Noch immer scheint man die Dringlichkeit der Lehrergewinnung nicht wirklich verstanden zu haben. Ist man sich im ministerialen Haus so sicher, dass man glaubt, mit Nachwuchslehrern so umspringen zu können? Welchen Eindruck vermittelt man vor allem denen, die jetzt noch im Studium sind und bald vor einer Klasse stehen möchten? Was sie in diesem Manöver sehen, liegt auf der Hand: Sachsen bricht Versprechen, ohne dass die Tinte auf dem Papier vollständig getrocknet ist. Wie soll da Vertrauen entstehen? Verständlich, wenn Lehrer künftig misstrauisch Verlautbarungen des Kultusministers begegnen. Sie und wir fragen sich zu Recht: Was kommt als nächstes?

Das Jahr ist noch jung. Es bleibt viel Zeit, noch die eine oder andere Absicht zu verschieben oder ganz zu kippen. Aber auch, um das verloren gegangene Vertrauen schnellstens zurückzuholen. Denn Christian Piwarz sollte sich an ein gängiges Sprichwort erinnern: ‚Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Auch wenn er stets die Wahrheit spricht‘.“