Willkommen an alle Kinder – Willkommens-Kita überflüssig

Andrea Kersten Pressemitteilung

In Sachsen gibt es inzwischen knapp 50 sogenannte Willkommens-Kitas.

In ihnen werden Flüchtlingskinder von speziell geschulten Pädagogen betreut und die Einrichtungen mit Beratern und dem Aufbau von Netzwerken unterstützt. Das Projekt soll laut Eigenwerbung den Abbau von sprachlichen und kulturellen Barrieren fördern. Oft gehe es auch um das richtige Eingewöhnen, also das Ankommen des Kindes in der Kita oder dem Hort zu erleichtern. Bis 2022 soll das Projekt weiter ausgebaut werden. Avisiert werden bis dahin 100 Einrichtungen.

Andrea Kersten, MdL der Blauen Partei, bildungspolitische Sprecherin,kritisiert:

„Interessant: Laut Broschüre des Projektes sind Willkommens-Kitas ‚ein Ort, an dem…Kinder aus Flüchtlingsfamilien erfahren, dass sie willkommen und anerkannt sind, dass sie teilhaben und sich wohlfühlen können‘. Sollten Kindergärten, Horte und Kinderkrippen das aber nicht generell bieten? Heißt das im Umkehrschluss also, dass Einrichtungen, die nicht unter der Willkommens-Kita firmieren, keine Willkommenskultur für Kinder bieten? Überhaupt: Nach welchen Kriterien bemisst sich der offenbare Erfolg dieses Programms, der nun zu einer Erweiterung führt? Können plötzlich mehr Flüchtlingskinder Deutsch?

Hat man die Kommunikation mit den Eltern verbessert? Konnten sie stärker in die Elternarbeit eingebunden werden? Das darf bezweifelt werden.

Orte, an denen Kinder zur täglichen Betreuung abgegeben werden, sollten generell so strukturiert sein, dass der Nachwuchs sich gut aufgehoben fühlt, dass er behutsam und freundlich auf die kommenden Jahre vorbereitet wird, dass er in ihnen gerne spielt, musiziert, tanzt, isst, schläft, lacht. Kinder sind ohnehin noch nicht mit der ‚erwachsenen‘ Beziehungsdenke ausgerüstet. Sie gehen unbefangen miteinander um, akzeptieren den anderen so, wie er ist. Kinder können viel freier auf andere zugehen, kennen noch keine Vorurteile und Klassifizierungen. Wozu es dann aber Förderprogramme gibt, die so tun, als wäre das alles Makulatur, erschließt sich uns Blauen nicht.

Solange sich Kinder so verhalten, solange Kitas und Horte eine gute Ausstattung haben und eine ideale, gepflegte Spielumgebung bieten, für Kinder und ihren Alltag also tatsächlich offen sind, benötigt es die Willkommens-Kitas nicht.

Übrigens: Bisher ging es auch wunderbar ohne steuergeldfinanzierte Programme. Denken wir nur an die Kinder der vielen multikulturellen Angestellten, Assistenten und Studenten an den internationalen Firmen in Sachsen, den Instituten, den Universitäten. Auch sie hätten, würde das Projekt seiner eigenen Lesart stringent folgen, eine Kita benötigt, die sprachliche und kulturelle Barrieren abbaut. Offensichtlich reichten aber die vorhandenen Kitas aus, um sie in eine ungewohnte Umgebung mit einzubeziehen – ohne, dass traumatische Belastungen die Folge sind. Die verantwortlichen Stellen sollten einmal darüber nachdenken.“